Erfahren

Erfahren Sie hier, wann die Auenorgel erbaut und wie sie immer wieder verändert worden ist, wodurch die Situation in den letzten Jahren gekennzeichnet ist und wie die Auenorgel künftig wieder aussehen und klingen soll:

Und erfahren Sie nachfolgend noch ein paar Details und "Geheimnisse" rund um die große Orgel in der Auenkirche.

Ein köstlich Ding

Die goldene Inschrift auf dem Prospekt der Auenorgel ist weit im Kirchenraum sichtbar und steht wie ein Motto für alle Musik in der Auenkirche. Der Text stammt aus Psalm 92:

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, 3 des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen 4 auf dem Psalter mit zehn Saiten, auf der Harfe und zum Klang der Zither. 5 Denn, Herr, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.

Da hat wirklich jemand Freude daran, Gott zu loben, und tut das aus vollem Herzen! 

Die Kleinste und die Größte

Unter den rund 6.000 Pfeifen ist die kleinste Pfeife der Auenorgel das dreigestrichene a der Septime 11/7‘, einem Flötenregister des Positivs. Die Pfeife klingt extrem hoch und hell, dicht an der Grenze dessen, was das menschliche Ohr wahrnehmen kann. Offiziell beträgt die Länge rund sieben Millimeter, nur über diese Strecke zwischen Aufschnitt und Pfeifenoberkante schwingt die Luftsäule und erzeugt den Ton. Tatsächlich ist die Pfeife aber rund 20 Zentimeter lang gebaut. Die Patenschaft für diese „Kinderpfeife“ ist einem jungen Menschen vorbehalten und kostet zehn Euro vom sicher knappen Taschengeld.

Die längste Pfeife der Auenorgel ist das große C des Pedal-Registers Untersatz 32‘. Sie ist aus Holz gefertigt und steht ganz hinten an der Nordwand des Kirchenschiffs. Ihre 5,50 Meter (bzw. plus baubedingtes Mehr knapp 6 Meter) sind im Orgelinneren gut zu sehen – freilich nicht komplett auf einen Blick, da sie sich über mehrere „Stockwerke“ erstrecken. Beim Größenvergleich mit einem 1-Euro-Stück ist letzteres quasi unsichtbar. Ihr Ton ist als abgründig tiefes Wummern und Vibrieren wahrnehmbar. Auch diese längste Pfeife wartet noch auf eine Patin oder einen Paten mit 2.500 Euro Taschengeld …

Der Höhepunkt

Das mit der Höhe ist wörtlich zu nehmen: Ganz oben wird die Auenorgel vom Zimbelstern gekrönt. Wenn er sich dreht und die kleinen Glöckchen erklingen – zum Beispiel zu Weihnachten –, markiert das auch einen Höhepunkt des Jahres. Ein Zauber liegt in der Luft.

Wie eine Spieluhr, ganz oben in unserer Orgel: Der Zimbelstern krönt die "Königin der Instrumente"

Und so funktioniert's: Am Orgel­spieltisch wirft der Kantor per Knopf­druck den Motor an. Dieser dreht eine horizontal liegende Walze, an deren vorderen Ende der goldene Stern montiert ist – der Stern rotiert! Das ist das, was wir von außen sehen können. Das Entscheidende aber geschieht hinter der Holzwand: An der Walze sind mehrere Noppen montiert, die bei der Drehung jeweils ein Hämmerchen in Bewegung versetzen. Und jedes Hämmerchen schlägt dadurch ein Glöckchen (auch Zimbel genannt) an und bringt es zum Klingen. Acht Zimbeln insgesamt, alles schnell hintereinander weg.

Das Prinzip kennen wir von der Spieluhr im Souvenir- oder Spielzeug­laden. Dort  muss man an der kleinen Kurbel drehen, damit die Stachel­walze die klingenden Metallstäbchen anreißt und eine Melodie ertönt. Die Zimbeln der Auenorgel spielen jedoch keine Melodie – das macht ja der Organist an den Manualen –, sondern lediglich eine schlichte Aufwärts-Tonfolge als festliches „Topping“ der Orgelmusik.

Vogel­gezwitscher im Orgel­kasten

Unter den Effekt­registern der Auenorgel gibt es eines, das Vogelgezwitscher imitiert: die sogenannte "Nachtigall". Technisch ist das eine kleine Orgelpfeife, die kopfüber in ein Gefäß mit Wasser getaucht ist. (Ja, wirklich – der Organist muss erst Wasser einfüllen, bevor er spielen kann!) Wenn nun Luft in die Pfeife strömt und diese zum Klingen bringt, setzt sie zugleich die Wasser­oberfläche in Bewegung. Diese Bewegung verändert permanent die Länge der in der Pfeife schwingenden Luft­säule; dadurch hört man nicht einen konstanten Ton, sondern in schneller Folge die verschiedensten Töne. Und das erinnert im Zusammen­klang an Vogel­gezwitscher.

Diese Art von "Nachtigall" ist seit dem frühen 16. Jahrhundert bekannt und war in Barock­orgeln sehr beliebt. Im 16. bis 18. Jahr­hundert wurden auch einige Musik­stücke komponiert, die Vogelstimmen aufgreifen oder imitieren. Dazu passte dann ein entsprechendes Effektregister an der Orgel wurderbar ...


Im Hörbeispiel vom Mai 2021 wird es bedient von Winfried Kleindopf.

Anonymus: "Englische Nachti­gall" aus der 'Celler Tabulatur' (1601)